Gemeinsamer Antrag der KV’s Steinburg und Stormarn.

Die Juso-Landeskonferenz möge beschließen:

Wir fordern die SPD-Landtagsfraktion und die SPD-Bundestagsfraktion auf, sich für einen verpflichtenden Säuglingspflegekurs mit anschließenden Einzelgesprächen beider (werdender) Elternteile mit einem Psychologen, Sozialpädagogen oder einer Hebamme einzusetzen.

Inhalt des Säuglingspflegekurses sollen der Umgang und die Pflege eines Kindes, Aufklärung zum Thema „Schädliche Substanzen in der Schwangerschaft“ aber auch pädagogische Inhalte sein, der zeitliche Rahmen soll mehr als einen Termin umfassen, ist aber von den genannten Expert_innen zu bestimmen.

Neben den verpflichteten Säuglingspflegekurs soll sich die SPD Landtagsfraktion für mehr Präventionsangebote einsetzen. Dazu ist es notwendig, dass Schülerinnen und Schüler in der Schule schon frühzeitig in einem Informationsgespräch, durchgeführt von Hebammen, Gynäkologen und anderen externen Expert_innen, zum einen über das richtige Verhalten in der Schwangerschaft sowie Schwangerschaftsanzeichen und Möglichkeiten der Beratung im Falle einer Schwangerschaft informiert, zum anderen Grundwissen der Kindererziehung vermittelt werden. Dieses Informationsgespräch soll zusätzlich zu den bestehenden Unterrichtseinheiten zur Sexualkunde durchgeführt werden.

 

Begründung:

 

2015 wurden in Deutschland 3441 Fälle von Kindesmisshandlung gemäß § 225 StGB erfasst, 2016 waren es 3621. Doch dies ist nur die Spitze des Eisberges, Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer und schätzen, dass alleine ca. 10-15% der Kinder in Deutschland Opfer von schwerwiegenden und relativ häufigen Körperstrafen sind. Gelegentliche Schläge oder „leichtere“ Formen der Misshandlung sind hier nicht berücksichtigt.

Doch die seelischen und körperlichen Schäden aller Formen von Kindesmisshandlungen prägen die Kinder oft ein Leben lang und legen den Grundstein für Suchtanfälligkeit und eine erhöhte Gewaltbereitschaft. Dies kann in der Folge dazu führen, dass sich der Gewaltkreislauf von Generation zu Generation fortsetzt. Zwar bedeutet Gewalt an Kindern nicht automatisch wieder Gewalt, doch die Biographien von Gewalttätern lassen überdurchschnittlich oft auf eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit schließen.

Weiter leiden viele Opfer von Gewalt, so auch bei Kindesmisshandlungen, an einer posttraumatischen Belastungsstörung, welche die Kinder noch zusätzlich belastet und schlechtere Leistungen in der Schule nach sich zieht. Dies bedeutet in der Regel neben einer schlechteren Zukunftsperspektive auch noch zusätzliche Gewalt.

Dieser Gewaltkreislauf kann nur mittels gezielter Schulung und Begleitung der Familien durchbrochen werden.

Die Eltern handeln in den meisten Fällen aus Hilflosigkeit oder weil sie es selbst nicht anders kennen. Hier können die Kurse und bei, in den Einzelgesprächen ermitteltem, Bedarf auch noch zusätzlichen Schulungen zur gewaltfreien Kommunikation und Konfliktlösung ansetzen und die Eltern davor bewahren zu Tätern zu werden.

Eltern und Kindern wäre hiermit gleichermaßen geholfen.

Gleiches gilt für das Thema Noxen. Bereits geringe Mengen Alkohol aber auch andere Drogen und Medikamente sowie Nikotin, können beim Kind schwerwiegende Schäden verursachen. Dies weiß vermeintlich jeder, trotzdem nehmen beispielsweise mehr als die Hälfte der schwangeren Frauen Alkohol zu sich. Je nach Entwicklungsstand des Kindes kann dies zu körperlichen und/oder geistigen Behinderungen oder Einschränkungen führen. Um diese Zahlen zu senken ist dringend Aufklärung nötig, denn kaum eine Frau möchte ihrem Kind schaden.